{"id":266,"date":"2019-04-27T18:27:12","date_gmt":"2019-04-27T17:27:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lacan.at\/?page_id=266"},"modified":"2021-01-16T21:24:00","modified_gmt":"2021-01-16T20:24:00","slug":"sektion-aesthetik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.lacan.at\/?page_id=266","title":{"rendered":"Sektion \u00c4sthetik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Sektion \u00c4sthetik versteht sich als eine au\u00dferuniversit\u00e4re philosophische Gruppierung, die j\u00e4hrlich zehn bis zw\u00f6lf Vortr\u00e4ge bzw. kleine Kolloquien veranstaltet, wobei fast immer einheimische Sprecher zu Wort kommen. Der Titel \u00c4sthetik meint eine programmatische N\u00e4he zur Wahrnehmung &#8211; etwa im Sinn &#8222;der Treue zur formellen H\u00fclle des Symptoms&#8220;, von der Lacan spricht. Mit \u00c4sthetik ist also weniger ein Bezug auf Kunst und Kunsttheorie intendiert als vielmehr eine Sorge um die Erscheinungen &#8211; inmitten des modischen Geredes von Immaterialit\u00e4t, Verschwinden und so weiter. Das Motto der Sektion \u00c4sthetik k\u00f6nnte der aus der Antike \u00fcberlieferte Infinitivsatz die Erscheinungen retten sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweifellos war Lacan unter allen klassischen Autoren der Psychoanalyse der &#8222;philosophischste&#8220;. Er hat sich von fr\u00fch an intensiv mit wichtigen Positionen der Philosophie vertraut gemacht und auseinandergesetzt. Mit seiner Methode der &#8222;verkettenden Lekt\u00fcre&#8220; &#8211; Freud mit Saussure, Kant mit Sade &#8211; hat er eine produktive Interdisziplinarit\u00e4t entwickelt, die ihn zu eigenst\u00e4ndigen philosophischen Positionierungen gef\u00fchrt hat. So hat er sich mit dem erstmals 1936 in Berlin vorgetragenen Spiegelstadium \u201cunbewu\u00dft\u201d in die um dieselbe Zeit von Scheler, Plessner und Gehlen formulierte Problemstellung der Philosophischen Anthropologie einger\u00fcckt, die auch Ergebnisse der Naturwissenschaften f\u00fcr die Frage nach dem Wesen des Menschen fruchtbar macht. Mit seiner Unterscheidung der drei Register des Imagin\u00e4ren, des Symbolischen, des Realen hat Lacan eine Medien-Anthropologie entworfen, die das Mediale doch nicht verabsolutiert. Mit seinem ausdr\u00fccklichen Rekurs auf die antiken paraphilosophischen Disziplinen der Dialektik, Grammatik, Topik, Rhetorik und Poetik geh\u00f6rt Lacan zu denjenigen modernen Philosophen, die eine &#8222;unheimliche&#8220; um 1800 eingetretene zur Moderne f\u00fchrende Mutation \u00fcberhaupt erst wahrnehmbar und vielleicht distanzierbar gemacht haben: die Ersetzung der Rhetorik durch die Hermeneutik &#8211; als Paradigma des Bildungswesens.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen ist die Ausrichtung der Sektion \u00c4sthetik keineswegs eine rein &#8222;theoretische&#8220;. In Ankn\u00fcpfung an Lacans klinische Unterscheidung unterschiedlicher und unterschiedlich w\u00fcnschbarer menschlicher Subjektschaltungen (Daseinsstellungen) strebt sie die Erhellung von anderen und anders w\u00fcnschbaren Lebensformen und Lebensk\u00fcnsten au\u00dferhalb der Klinik an. Sie folgt damit der pragmatischen Wissenschaftsklassifikation, die Aristoteles ausgerechnet in der sogenannten Metaphysik dargelegt hat, wonach es neben den theoretischen noch die poietischen und die praktischen Wissenschaften gibt. In den letzteren geht es um die Erhellung von K\u00f6nnen, die sich auf T\u00e4tigkeiten beziehen, welche man aus\u00fcben will bzw. soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Die seit dem Herbst 1989 laufende Vortragsreihe der Sektion \u00c4sthetik hei\u00dft Sektion \u00c4sthetik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sektion \u00c4sthetik versteht sich als eine au\u00dferuniversit\u00e4re philosophische Gruppierung, die j\u00e4hrlich zehn bis zw\u00f6lf Vortr\u00e4ge bzw. kleine Kolloquien veranstaltet, wobei fast immer einheimische Sprecher zu Wort kommen. Der Titel \u00c4sthetik meint eine programmatische N\u00e4he zur Wahrnehmung &#8211; etwa im Sinn &#8222;der Treue zur formellen H\u00fclle des Symptoms&#8220;, von der Lacan spricht. 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