{"id":280,"date":"2019-04-27T18:56:28","date_gmt":"2019-04-27T17:56:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lacan.at\/?page_id=280"},"modified":"2021-01-16T21:24:44","modified_gmt":"2021-01-16T20:24:44","slug":"sektion-klinik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.lacan.at\/?page_id=280","title":{"rendered":"Sektion Klinik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die T\u00e4tigkeit der Sektion Klinik ist der mit Beharrlichkeit ge\u00fcbte Versuch, auch in \u00d6sterreich die von Lacan initiierte R\u00fcckbesinnung auf das Denken Freuds und die Fortf\u00fchrung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse in dessen Sinn und Geist mit Hilfe des Erkenntnisfortschritts sowohl tradierter als auch neuerer psychoanalytischer Grundlagendisziplinen einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese mitunter einer Sisyphusarbeit gleichende Arbeit ist als solche mitbedingt durch ein labiles Gleichgewicht, in welches sich die Erfahrung des Unbewussten als der haupts\u00e4chlichen Motivquelle menschlichen Handelns bestenfalls bringen l\u00e4sst und aus dem sie immer wieder durch die Macht der Verdr\u00e4ngung gebracht wird. Denn das Unbewusste ist, seiner Entstehung entsprechend, ein Wissen, von dem das Subjekt eigentlich nichts wissen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als M\u00f6glichkeit einer begrenzten Befreiung des Menschen aus einer nur bedingt von ihm selbst verschuldeten, weil strukturellen Unm\u00fcndigkeit stellt die Psychoanalyse ein Aufkl\u00e4rungsinstrument besonderer Art dar. Die psychoanalytische Subjektkritik mit ihrem Verm\u00f6gen, dem Allgemeinen und den Systemen das Individuelle und Singul\u00e4re mit Nachdruck entgegenzusetzen, ger\u00e4t mit einem solchen Unterfangen unweigerlich in eine Gegnerschaftsposition zu jeder gesellschaftlichen Machtordnung. Denn sie zerlegt deren Gef\u00fcge, indem sie jedes Handeln und jedes handelnde Subjekt vor die Sinnfrage stellt und sie zur Preisgabe ihrer geheimen Intentionen zwingt. In dieser Hinsicht ist sie allerdings der Gefahr der jeder Aufkl\u00e4rung innewohnenden Dialektik mit deren Neigung, einen eigenen Herrschaftsanspruch durchzusetzen, ausgesetzt. Die dagegen gerichtete und stets notwendige Selbstreflexion l\u00e4uft daher auf einen Anspruch auf Macht hinaus, um Macht zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit hat die Psychoanalyse, um ihre Existenz aufrecht zu erhalten, stets an zwei Fronten zu k\u00e4mpfen. Sie muss sich nicht nur gegen den aufl\u00f6senden Zugriff von aussen wehren, sondern hat auch gewissermassen in sich selbst Tendenzen und Kr\u00e4ften zu begegnen, welche permanent auf ihre Entwaffnung und Destruktion hinarbeiten. Denn auf dem Weg ihrer fortschreitenden Erkenntnis, der bekanntlich vom scheinbar sinnlosen Symptomverhalten des Neurotikers ausgegangen ist, ist die Psychoanalyse sehr rasch an die Kraft der Einbildung und an die Macht der Illusion geraten. Ihr Wahrheitsanspruch, der auf die Wahrheit eines Sprechens in Differenz zur L\u00fcge zielte, musste sich am Hang des Menschen zu seiner Selbstt\u00e4uschung reiben, gegen\u00fcber dem die Dennnochdurchsetzung des Wahrhaftigen zumeist nur unvollst\u00e4ndig gelingen kann. In seinem Entwurf des Spiegelstadiums der Subjektentwicklung hat Lacan die existenzielle Begr\u00fcndung solcher Selbstverkennungstendenzen freigelegt und gezeigt, dass das menschliche Subjekt aufgrund seiner mangelhaften biologischen Ausstattung in seiner Ichhaftigkeit das Produkt einer Identifizierung mit einer ihm \u00e4usseren imagin\u00e4ren Repr\u00e4sentanz ist. Diese urspr\u00fcngliche Entfremdung charakterisiert das Zu-Sich-Kommen des Menschen als einen permanent aufrechtzuerhaltenden Wiederaneignungsprozess. Die Subjektkonstituierung im Medium des Imagin\u00e4ren kann aber nicht unabh\u00e4ngig gedacht werden von der Einwirkung einer anderen Instanz, welche an das zu sich kommende Subjekt ebenfalls von aussen herantritt: die Ordnung des Symbolischen, d.h. die Sprache. Zwar ist diese selbst wiederum entfremdend, sie kann aber gleichzeitig die urspr\u00fcngliche Entfremdung in das Bild im Akt jener besonderen Individualisierung wieder aufheben, in welchem sich aus dem Universum der &#8222;langue&#8220; das Singul\u00e4re der &#8222;parole&#8220; herausbildet, durch welchen Vorgang sich ein Ich in einem einzigartigen Gesprochenwerden an seiner eigenen Unbewusstheit als privater Signifikantenverkettung festmachen kann. Bis hinein freilich in jenes Privatissimum individueller Mythenbildungen als Folge unzureichender Distanzierung vom Ereignis des Traumas durch die aufhebende Wirkung des Symbols, was bekanntlich das Wesen der Neurose ausmacht.<br>Privatheit kennzeichnet auch den Raum, in dem das psychoanalytische Dispositiv seine Wirkung entfalten kann, wo von jeher ein Junktim von Heilen und Forschen bestanden hat. Nicht zuletzt deshalb ist die Arbeit der Sektion Klinik an die Intimit\u00e4t einer verh\u00e4ltnism\u00e4ssig kleinen Gruppe gebunden. Dabei steht die Erarbeitung Lacanscher Texte und Seminarniederschriften und die Pr\u00fcfung ihrer Relevanz f\u00fcr die psychoanalytische Praxis im Vordergrund. Ergebnisse dieser Bem\u00fchungen werden \u00f6fters im \u00f6ffentlicheren Rahmen von Veranstaltungen vorgestellt \u2013 teilweise in Zusammenarbeit mit der Sektion \u00c4sthetik. Den praktizierenden \u00f6sterreichischen Psychoanalytikern in der Arbeitsgruppe f\u00e4llt es nicht immer leicht, sich von ihren Sozialisationsbedingungen zu distanzieren, welche gekennzeichnet sind von einem durch die Vertreibung der Psychoanalyse bewirkten Bruch bodenst\u00e4ndiger Identit\u00e4t und von der \u00dcbernahme einer am (Nord-)Amerikanismus orientierten Konzeption ihrer Theorie und ihrer Praxis. Nicht zuletzt dagegen ist der Versuch des Europ\u00e4ers Lacan zu verstehen, die Psychoanalyse wieder auf die Beine einer am Geist und am Buchstaben Freuds ausgerichteten Disziplin zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00e4tigkeit der Sektion Klinik ist der mit Beharrlichkeit ge\u00fcbte Versuch, auch in \u00d6sterreich die von Lacan initiierte R\u00fcckbesinnung auf das Denken Freuds und die Fortf\u00fchrung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse in dessen Sinn und Geist mit Hilfe des Erkenntnisfortschritts sowohl tradierter als auch neuerer psychoanalytischer Grundlagendisziplinen einzuf\u00fchren. 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