Philosophie und Psychoanalyse stehen in einem widersprüchlichen Verhältnis zueinander. Unvereinbar und scheinbar unversöhnlich beziehen sie sich auf das jeweils andere. Und doch können sie nicht voneinander lassen. Seit ihren Anfängen bezieht die Psychoanalyse Anleihen, Anknüpfungs- oder Reibungspunkte aus der Philosophie, während diese seit Bestehen der Psychoanalyse ihres Jahrtausende alten Skandals überführt wird, nicht einlösen zu können, was sie letztlich beansprucht…
Die Psychoanalyse und die Philosophie sind ein ungleiches Paar. Bei genauerem Hinsehen aber löst sich die Mutmaßung auf, sie hätten einander nichts zu sagen. Es sind gerade deren Kontroversen und Kollisionen, die Unmöglichkeiten und Unerreichbarkeiten, die beide aneinander und in sich selbst gedeihen lassen.
Und so ist es ausdrücklich die Phase einer Theorieentwicklung zu Zeiten Jacques Lacans, die nicht davor zurückgeschreckt, das Eine auf das Andere zu beziehen. Dass dieser Moment nomadischen Denkens nicht nur historische Relevanz hat, sondern auch und gerade heutzutage der Psychoanalyse wie der Philosophie etwas meldet, ist die Grundüberzeugung unseres Lesekreises.
Von drei Fragen ausgehend kann sich dem Verhältnis von Philosophie und Psychoanalyse angenähert werden:
1) Was hat die Philosophie der Psychoanalyse zu sagen?
2) Was hat die Psychoanalyse der Philosophie zu sagen?
3) Was ist/wäre ein eigenständiger Diskurs im Feld der Versöhnung von Psychoanalyse und Philosophie?
Zu Beginn unseres Lesekreises werden wir uns der ersten Frage widmen. Es geht dabei vor allen Dingen um die Lektüre von Sekundärquellen, die sich der Auseinandersetzung mit den Anleihen des Lacanschen Denkens aus der Philosophie widmen.
Aktuelle Literatur: Ragland-Sullivan, Ellie: Jacques Lacan und die Philosophie der Psychoanalyse, Weinheim, Quadriga 1989. (Das Buch ist vergriffen, aber antiquarisch erhältlich. Den Teilnehmer*innen am Lesekreis wird, sofern gewünscht, eine digitale Version bereitgestellt.)
Am 23. Juni 2026 um 18:30 findet ein Organisationstreffen an der Universität Wien statt.
Interessierte wenden sich bitte per E-Mail an: mehodec@gmail.com
Frequenz: 1x monatlich, ab September 2026