August Ruhs
Psychoanalytische Beiträge zur Theorie der bildenden Künste
Teil 1: Schaffensdrang und Schaulust
Teil 2: Deutung und Wahrheit
»Die Sublimierung ist die Erhöhung des Objekts zur Würde des Dings«
Entstanden in einer Epoche, in der Wissenschaft und Kunst eng miteinander verschränkt waren, hat die
Psychoanalyse eine entsprechende Universalperspektive nicht nur stets beibehalten, sondern sie
vielmehr in eine umfassende und stringente Kulturtheorie unter Beachtung unbewusster Sinn-,
Bedeutungs- und Motivationszusammenhänge übergeführt. Durch die gegenseitige Durchdringung von
Therapeutik und Ästhetik sah sich Freud veranlasst, Dichter und Künstler als Bundesgenossen im
Ringen um das Verständnis der tieferen Bereiche des menschlichen Seelenlebens anzuerkennen.
Andererseits ist auch die psychoanalytische Praxis mit ihren metapsychologischen Reflexionen und mit
ihrem Aufspüren zeitspezifischer unbewusster Beweggründe nicht ohne Einfluss auf künstlerisches
Schaffen und auf die formale und inhaltliche Gestaltung von Kunstströmungen geblieben. Abgesehen
von seiner schriftstellerischen Begabung und seiner Leidenschaft als Kunstliebhaber und Sammler
ergaben sich aus Freuds Affinität zur Kunst Fundamente einer spezifischen Kunsttheorie, welche die
Beweggründe künstlerischen Schaffens, die Faszinationskraft von künstlerischen Werken und ihre
latenten Strukturen und Ausdrucksgesetze in den Vordergrund stellte.
In der Folge ergaben sich insbesondere durch die strukturale Psychoanalyse Lacans mit ihren
medientheoretischen Konzeptionen Neuorientierungen in der Kunstauffassung, in deren Rahmen ein
Werk weniger als materialisierte Idee zu betrachten ist, sondern vielmehr als ein in Form verwandeltes
Begehren mit all seinen Verhüllungen, Kompromissbildungen und Deformationen. Eine darauf
fokussierte Analyse verfolgt rückwärtsgewandt und dekonstruktivistisch künstlerische
Schaffensprozesse, welche so wie deren Interpretationen von einer letztlich immer scheiternden Suche
nach dem jenseits von Bild und Sprache liegenden freudschen Ding gekennzeichnet sind.
Die auf zwei Bände verteilten Essays des Psychiaters und Psychoanalytikers August Ruhs entsprechen
allgemeinen und speziellen Annäherungen an das Unbewusste, das Ungewusste und das Unsichtbare
in den vornehmlich visuell gestaltenden Künsten.
